Claus Kleber im Interview mit Ahmadinedschad: Im Namen des deutschen Volkes

Das ZDF hat gestern ein exklusives Interview mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad veröffentlicht.

Gleich vorweg: Ich behalte mir eine Wertung zu der Thematik Iran, Israel, Atombombe und den Spannungen in dieser Region explizit vor. Ich habe eine Meinung, befürchte jedoch, dass diese durch fehlendes Hintergrundwissen nicht ausreichend fundiert ist. Das impliziert auch, dass ich Ahmadinedschad in keinster Weise in Schutz nehmen will oder seine Haltungen für gut befinde. Konkret möchte ich hier also nicht auf die verschiedenen Positionen, sondern eher auf die Qualität des Dialoges eingehen. Dieser hat meiner Meinung nach einige Verfehlungen auf Seiten des ZDF zu bieten, was mich letztendlich zur Veröffentlichung dieses kurzen Beitrags bewegt hat.

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Claus Kleber betont zu Beginn des fast 45 Minuten dauernden Interviews, dass es über zwei Jahre dauerte, bis dieses Gespräch möglich geworden ist. Im Folgenden versteift er sich wiederholt auf die Frage, wieso der Iran der internationalen Atombehörde keine weiterreichenden Befugnisse erteilt. Er bekommt durchaus begründete Antworten. Auf Gegenfragen reagiert er jedoch ablenkend, als wäre er darauf nicht gefasst oder gar vorbereitet.

Israel kann machen was es will

Der erste unprofessionelle Schlagabtausch beginnt etwa ab Minute drei:

Ahmadinedschad: Zeigen die Zionisten Klarheit und Transparenz in ihrer
Nuklearfrage? Sie haben mehr als 250 atomare Sprengköpfe! Ist das kein
Problem, wenn sie so ausgestattet sind?

Kleber: Israel gehört nicht zum Atomwaffensperrvertrag. Es hat keine
vertragliche Verpflichtung, das offenzulegen. Iran hat diese
Verpflichtung.

Ahmadinedschad: Das heißt, jeder der nicht Mitglied von NPT-Vertrag
(Anmerkung des Autors: Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear
Weapons, NPT) ist, ist frei zu tun, was er will?

Kleber: So ist das wohl.

Eine schlechtere Antwort hätte man sich kaum denken können. Wie ein trotziges Kind, dem nichts mehr einfällt und versucht, mit sinnloser Argumentation dennoch zu widersprechen. Es ist natürlich nicht so, dass Israel das Recht hat zu tun was es will. Im späteren Verlauf spricht Ahmadinedschad wiederholt an, dass Israel von den westlichen Mächten bedingungslos unterstützt wird und hinterfragt die daraus resultierende Ungleichbehandlung gegenüber dem Iran. Diesem Eindruck, der von Ahmadinedschad als generelle Einstellung des Westens gilt, hat Kleber leider nichts entgegenzusetzen.

Im Namen des deutschen Volkes

Wirklich interessant wird es etwa ab Minute 31. Claus Kleber scheint leicht gereizt, da er anscheinend nicht die erwarteten Antworten bekommt. Er äußert sich mit der folgenden Aussage:

Kleber: Ich kann ihnen sagen was das deutsche Volk von unserem
Gespräch jetzt erwartet: Ein Zugeständnis, eine Öffnung Irans in dieser
kritischen Atomfrage.

Sehr geehrter Klaus Kleber,

was maßen Sie sich eigentlich an, im Namen aller Deutschen zu sprechen. Dieses Recht würde ich nicht einmal dem deutschen Staatsoberhaupt, dem Bundespräsidenten, zusprechen. Wer aber sind Sie? Ein Journalist? Ein Moderator? Ein Nachrichtensprecher? Bestenfalls sprechen Sie stellvertretend für das ZDF.

Ahmadinedschad greift diesen Fauxpas später auch wiederholt auf: „Man solle doch das deutsche Volk direkt fragen“.

Am Ende des Gesprächs lässt sich Claus Kleber noch zu einer abschließenden Bemerkung hinreisen:

Kleber: Ich habe ein bisschen mehr Verständnis dafür gefunden, dass
die Diplomaten sagen, es ist besonders schwierig mit Iran zu
verhandeln. Eine Herausforderung. Danke für dieses Gespräch.

Als hätte er sich bemüht mit Argumenten eine diplomatische Verhandlung zu führen. Nicht dass das seine Aufgabe gewesen wäre, aber dann sollte er sich eine solche Einschätzung zum Ende auch wirklich verkneifen.

Man kann zumindest festhalten: Der iranische Präsident hat seine Meinung von der Kompetenz deutscher Journalisten nicht aufbessern können. Das Interview war eine großartige Chance, die das ZDF nicht genutzt hat. Ob das schließlich eine Rolle spielt, ist jedoch durchaus in Frage zu stellen.

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Außenpolitik, Medien

7 Antworten zu “Claus Kleber im Interview mit Ahmadinedschad: Im Namen des deutschen Volkes

  1. AgathaFrisby

    Im Wesentlichen ist hier aber auch eine ganz andere Botschaft klar geworden, wenn auch unbewusst: Klare Aussagen, klare Statements, sind überhaupt nicht gewollt. Das systematische und angeschult wirkende Herumeiern des deutschen Journalisten Kleber wird gerade bei sehr emotionalen Interviewpartnern wie dem iranischen Präsidenten sehr deutlich. Das wirkt nicht nur inkompetent und im Zweifel sogar arrogant; sondern es zeigt, dass Kleber schlicht Angst vor Repressalien hat, wenn Tacheles gefragt ist. Vor wem? Vor dem „deutschen Volk“, welches er ja seit gestern selbsternannt und ganz autokratisch vertritt, wohl kaum. Dem nicht genug „flüchtete“ er sich in die Rolle eines Außenminsters und stellte Forderungen – wie unangenehm und peinlich.

    • Dem kann ich nur zustimmen. „unangenehm“ und „peinlich“ finde ich dabei wirklich passende Worte. Zumindest schaffen es diese Begriffe meine Stimmungslage beim Ansehen des Interviews gut zu beschreiben. Danke für den Kommentar!

  2. Wolle-

    Er ging sogar noch ein Stück weiter: „Die Welt (!) schaut auf dieses Interview…“ – Kleber – übernehmen Sie!

    • In der Tat, es gab unzählige solche Stellen in diesem Interview. Es scheint jetzt aber nicht die angestrebte weltbewegende Resonanz zu geben 😉 Ich vermute auch, dass wir uns glücklich schätzen können, den Herrn Kleber nicht allzu oft als Interviewpartner erleben zu dürfen.

  3. herta

    Herr Kleber war nur peinlich und völlig überfordert. Er hatte den logischen Argumenten seines Gegenübers nichts entgegen zu setzen. So etwas will anchor man im öfffentlich rechtlichen Fernsehen sein. Da stellt sich automatisch die Frage nach den Einstellungskriterien.

  4. Sehr gute Analyse des Gesprächs! Es ist schon erstaunlich, dass der promovierte Jurist Kleber stellenweise derart unvorbereitet bis unprofessionell wirkte.

  5. Pingback: Wochenrückblick KW 12 (19.3. bis 25.3.) | Holger Herz

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